Ein Blick in die Kabine Amateurfußball – Bier schmeckt besser als Geld

Amateurfußball - FC Union Tornesch

Tornesch, Amateurfußball am Sonntag. 13:02 Uhr, der frische Duft meines Haarsprays wird überdeckt mit dem dumpfen Geruch von Rauch. Ich sitze vor der Kabine und sehe den Qualm der Kippen zwei meiner Mannschaftskameraden an mir vorbeiziehen. Eine klassische Konditionszigarette sagen sie. Um 15 Uhr ist Anstoß, natürlich sind wir schon weit aus früher auf dem Sportplatz, als es der zeitliche Treffpunkt verlangt. Seit dem ich sechs Jahre alt bin, zählt am Sonntag nichts anderes. Zigaretten rauchen ist trotzdem nichts für mich, und ich gehe rein in die Kabine.

Was in der Fußball-Kabine passiert

Was in der Fußball-Kabine passiert, das bleibt auch da. Keiner hat irgendeinen Grund nach außen zu tragen, was sich hier abspielt. Deshalb gibt es für Dich auch nur einen groben Einblick ohne Bilder von den Nackidei-Bier-Schaum-Partys.

This is ten percent luck, twenty percent skill, fifteen percent concentrated power of will. Five percent pleasure, fifty percent pain and hundred percent reason to remember the name.

Nach Betreten der Kabine schallen mir die ersten Bässe entgegen. So langsam wird hier die Stimmung eingeheizt. Bisher aber alles in einer Lautstärke, in der wir uns noch unterhalten können. Denn hinten rechts werden zum Beispiel gerade noch die letzten Puzzle-Teile von Freitag Nacht zusammengesetzt. Während unser Torwart einem der Youngster an der Taktik-Tafel die nächsten Spielzüge erklärt. Jeder Spieler hat sein eigenes Ritual vor dem Spiel.

Ein Blick in die Kabine Amateurfußball - Bier schmeckt besser als Geld

Verhaltensrichtlinie und Strafen-Katalog im Amateurfußball

Damit so eine Gemeinschaft funktioniert und die gibt es auch beim Fußball, müssen Regeln oder zumindest gewisse Verhaltensregeln an den Tag gelegt werden. Wer aus der Reihe tanzt muss mit den Konsequenzen rechnen. Manchmal milde, manchmal hart oder auch einfach nur unnötig witzig. Strafen werden generell kategorisiert, entweder werden Schnittchen beim nächsten Training geschmiert, einen Euro in die Malle-Kasse geschmissen oder die wohl liebste Wiedergutmachung: Eine Kiste Bier – gesponsert von dem Übeltäter.

Auch hier nur ein Einblick in jeweils fünf der vielen weiteren Straftaten.

Kiste Bier

  • Erstes Mal 90 Minuten durchgehalten
  • Elfmeter verschossen
  • Elfmeter gehalten
  • neue Fußballschuhe
  • Wegen Meckern vom Platz geflogen

1 € in die Malle-Kasse

  • Handtuch vergessen
  • Wer nicht spült
  • Pinkeln mit Klobrille unten
  • Handy während der Besprechung
  • Urinieren nicht angekündigt

Schnittchen schmieren

  • Rauchen/Saufen im Trikot
  • In der Kabine nach der Uhrzeit fragen
  • Trainer nicht gegrüßt (Handschlag)
  • Abwesenheit beim Kreis nach dem Sieg
  • Verschlafen/ mehr als 10 Minuten verspätet ohne Ankündigung

Natürlich hat jede Amateurfußball-Mannschaft für dieses wichtige Anliegen einen eigenen Kistenwart, der ein messerscharfes Auge auf das Verhalten der Mitspieler hat. Generell gibt es aber auch extra Anerkennung der Mannschaft, wenn man einen Mitspieler beim Kistenwart verpfeift. Echt kein einfaches Business.

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Bier nach Abpfiff, statt Briefumschlag mit Scheinen

Ob Training oder Spiel, nach der Einheit steht eine Kiste Bier in der Mitte der Kabine. Sicherlich gibt es Mannschaften, die in der selben Liga kicken und für die das Geld zählt. Aber es gibt doch nichts Schöneres als die Sache an sich: Pils, Freunde und den Sport gemeinsam genießen. Viele Mannschaften kennen das gar nicht mehr. 20 Minuten nach Abpfiff oder 10 Minuten nach Trainingsende sitzen oftmals nur noch 10% der Mannschaft zusammen.

Einige sind schon zu Hause, da habe ich noch nicht mal mein Trikot ausgezogen.

Die Jungen haben keine Zeit, morgen wieder Schule. Die Weicheier müssen rechtzeitig zu Hause sein, wenn sie noch was von der Freundin haben wollen. Der harte Kern sitzt oftmals alleine noch stundenlang verschwitzt in der Kabine. Das war früher anders. Wir versuchen das, was den Amateurfußball ausmacht, wieder aufleben zu lassen, denn Geld gibt es bei uns keinen Pfennig. Keine Prämie, kein Trainings-Geld, nicht mal eine Aufwandsentschädigung – sondern nur die Gemeinschaft! Das ist auch unser Kredo, über das wir uns definieren. Gemeinschaft, Zusammenhalt und die Liebe am Fußball sorgen hier für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Hier habe ich unsere Spielerprofile mal anderes erstellt! 😉 Bis Bald!

Fabi

2 Kommentare

  1. Da findest du genau die richtigen Worte!
    Mal wieder weg kommen von dem ganzen “Profisein” Gedanke. Denn mit Fußball “verdienst” du wohl erst richtig Geld, wenn du in der dritten Bundesliga spielst und Aufwärts. Alles andere ist eine Aufwandsentschädigung.

    Nun erst mal ein Bier – Prost! 😉

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